Megatrends: Von Zukunftsszenarien und Investitionen mit Weitsicht

Im Jahr 2020 gilt mehr denn je: Wer Trends frühzeitig erkennt, hat die Nase vorn. Die digitale Transformation ist extrem dynamisch, Trends bestimmen alle Lebensbereiche. Ob als kurzzeitige Phänomene, wie zum Beispiel Produkttrends, oder als langfristige, disruptive Strömungen, sogenannte Megatrends. Sie bestimmen und verändern als soziale, wirtschaftliche, politische, ökologische oder technologische Entwicklungen Lebens- und Arbeitsweisen. Manchmal entwickeln sie sich langsam – wirken aufgrund ihrer Dynamik aber nachhaltig: Sie beeinflussen Aktivitäten, Prozesse und Wahrnehmungen über Jahre und Jahrzehnte hinaus. Megatrends sind Treiber für die Entwicklung und den Wandel der globalen (Kapital-)Märkte. Unternehmen müssen diese Trends frühzeitig erkennen und ihre Geschäftsmodelle darauf ausrichten, um dauerhaft erfolgreich zu sein. Und auch ein langfristiger Anlageerfolg setzt die Identifikation der relevanten Investmentthemen mit Zukunftspotenzial voraus.

Megatrends, die im nächsten Jahrzehnt die globalen Märkte zunehmend beherrschen werden, sind die sogenannten Enabling Technologien. Dazu gehören beispielsweise 5G, Künstliche Intelligenz, das Internet of Things und Robotik. Die Automatisierung von Prozessen und Abläufen bis hin zum selbstständigen Arbeiten von Maschinen wird einerseits zum Abbau von Arbeitsplätzen führen – andererseits eröffnen diese Technologien aber enormes Potenzial für innovative aufstrebende Industrien und schaffen neue Möglichkeiten, etwa im Bereich der Krankheitsdiagnostik.

Daten – kostbarer als Öl

Ob Fintech, Lernapplikationen, digitale Zahlungsmöglichkeiten, E-Sports, autonomes Fahren, Medtech, Smart Cities oder Massendatenverarbeitung im Verkehr – digitale Disruptionen verändern zurzeit viele Branchen oder Sektoren. Die Hyperpersonalisierung, etwa durch Spracherkennung und virtuelle Assistenten, macht das Leben in vielen Bereichen einfacher und bequemer. Zeitgleich wächst aber auch die Angriffsfläche für digitale Attacken und erfordert den konsequenten Ausbau der Cyber-Security. Allein in Deutschland waren in den vergangenen zwei Jahren laut KPMG 30 Prozent aller Unternehmen von Angriffen auf ihre Daten betroffen1.

Wie wichtig Datenkontrolle ist, zeigt auch der Blick auf die zunehmenden politischen Interferenzen zwischen den USA und China. China ist auf dem Weg, die USA als Supermacht abzulösen. Ein Grund dafür, digitale Schlüsseltechnologien in den jeweiligen Wirtschaftsblöcken mehr und mehr abzuschotten. Um ihren globalen Machtanspruch auf ein solides Fundament zu heben, hat die Volksrepublik Enabling Technologien zu einer ihrer wichtigsten strategischen Prioritäten erhoben. Die Konturen einer neuen Weltordnung schälen sich deutlich heraus: Vieles spricht dafür, dass es künftig eine neue bipolare Welt geben wird, dominiert von US-amerikanischen und chinesischen Machtspielen.

Die Zersplitterung des Internets

Die politischen Spannungen zwischen den Supermächten USA und China machen auch vor dem Internet nicht Halt: Das Internet wird zum „Splinternet“, zu einem zweigleisigen Internet. Eins US-amerikanisch, eins chinesisch. Bereits heute ist diese Zersplitterung greifbar: China beispielsweise hat zahlreiche US-Technologieunternehmen wie Google, Amazon und Facebook daran gehindert, in chinesische Online-Sphären einzugreifen. Statt Amazon nutzen Chinesen das Alibaba-eigene Taobao oder JD.com. Statt WhatsApp ist WeChat die Messaging-App Nummer eins für mehr als eine Milliarde Menschen. Inhalte von Technologieunternehmen, die als politisch sensibel gelten, werden einer Zensur aus Peking unterzogen.

Die Zersplitterung des Internets hat weitreichende globale Folgen: Sie führt zu einer digitalen Abkopplung, welche die globale technologische Zusammenarbeit und den Datentransfer beeinflusst bzw. behindert. Bereits jetzt kommt es in westlichen Ländern und insbesondere in den USA im Bereich Datenlokalisierung und Datentransfers vermehrt zu Kampagnen gegen chinesische Technologieunternehmen. Der Vorwurf: Chinesische IT-Unternehmen stellten hinsichtlich ihres Umgangs mit Daten europäischer oder US-amerikanischer Nutzer eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dar. Die Konsequenz sind direkte politische Interventionen in das Wirtschaftssystem. Das angestrebte Verbot der chinesischen Social-Media-App TikTok in den USA auf Basis einer Durchführungsverordnung Donald Trumps liefert ein prominentes Beispiel dafür, auch wenn es am 2. November zunächst per einstweiliger Verfügung einkassiert wurde2.

Der nachhaltige Blick auf die Kapitalmärkte

Was bedeutet das für den Aktienmarkt? Investoren müssen neue Entwicklungen, Bewegungen und Trends erkennen, die für die nachhaltige Unternehmensentwicklung in den kommenden ein bis fünf Jahren relevant sind. Anleger müssen die Marktdynamik der Enabling Technologien, basierend auf Apps und immer umfangreicheren Datenmengen, verstehen und ihre Anlagestrategie entsprechend ausrichten. Durch die drohende Spaltung des Internets verändern sich Zugang, Verarbeitung und Verbreitung von Daten zwischen West und Fernost. Mit Blick auf die Portfoliodispositionen wird es deshalb nicht mehr genügen, ausschließlich die „Amazons“ und „Googles“ dieser Welt zu berücksichtigen. Stattdessen bedarf es einer „westlichen“ und einer „fernöstlichen“ Brille bei der Analyse. Investoren müssen offen bleiben für die neue bipolare Welt. Für uns als langfristig ausgerichtete Investoren ist es im besonderen Maße wichtig, jetzt das Fundament zu legen, um in den nächsten ein, zwei und auch fünf Jahren gemeinsam mit unseren Kunden davon zu profitieren. Deshalb haben wir bereits begonnen, sowohl US-amerikanische als auch fernöstliche Unternehmen, die vom Enabling-Technologien-Megatrend profitieren werden, in unsere strategische Asset Allokation aufzunehmen.

1 Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/hackerangriffe-wirtschaft-unternehmen-corona-101.html
2 Quelle: https://t3n.de/news/tiktok-deal-usa-timeline-chronologie-1323692/


Autor: Patrick Picenoni


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